

Am 17.1.2010 bleibt die Kirche aus technischen Gründen geschlossen.
Film über das John-Cage-Orgel-Kunst-Projekt
am Mittwoch, den 30. Dezember 2009, werden um 18.00 Uhr in der Zuckerfabrik in Halberstadt im Kino 7 vier Dokumentarfilme zum Thema »Zeit« gezeigt, u.a. ein 26min Film zum John-Cage-Orgel-Kunst-Projekt in Halberstadt. Nach dem Film stehen die Filmemacherin und viele Mitwirkende zur Diskussion bereit.Cage-Projekt trauert um Heinz-Klaus Metzger
Der am 25. Oktober 2009 verstorbene Musiktheoretiker Heinz-Klaus Metzger gehörte zu den Gründungsmitgliedern der John-Cage-Orgel-Stiftung Halberstadt. Mit dem wegweisenden Essay "John Cage oder Die freigelassene Musik" positionierte er sich als ein musikästhetischer "Anarchist". Er steht für eine unbeugsame Haltung gegenüber jeder traditionellen, die musikalische Vergangenheit hofierende Musik. Er setzte sich zusammen mit seinem Lebenspartner, dem Komponisten und Dirigenten Rainer Riehn seit 1997 für die 639 Jahre dauernde Aufführung von ORGAN2/ASLSP (As SLow aS Possible - So langsam wie möglich) von John Cage an einer eigens dafür gebauten Orgel in Halberstadt ein. Im Gedenken an seine musikphilosophische Unterstützung des John-Cage-Orgel-Kunst-Projektes in Halberstadt widmet die John-Cage-Orgel-Stiftung Halberstadt ihm und Rainer Riehn ein "Klangjahr". Beim neunten Klangwechsel am 5. Juli 2010 in der St. Burchardi-Kirche Halberstadt werden seine besonderen Verdienste durch die Stiftung gewürdigt.Spiegel online-Reportage
unter der Rubrik »km42« hat die Spiegel-online Redaktion ein Reportage-Video online gestellt, das hier zu sehen ist.Akustischer Extremsport
Auf den Seiten der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ist eine Flash-Diashow über das Orgelprojekt zu sehen: Akustischer Extremsport.Volksstimme Halberstadt, 7.2.2009
Achter Klangwechsel beim Cage-Konzert in Halberstadt
Zwei neue Töne und ein kleines Stück Unendlichkeit
von Amely BrouwersKlangwechsel in der Burchardikirche: Das längste Musikstück der Welt, „ORGANf/ ASLSP“ von John Cage, wurde am Donnerstag um die Töne d‘ und e“ ergänzt. Halberstadt. Obwohl der eigentliche Klangwechsel durch einen einfachen Handgriff erfolgt, sollte das Ereignis natürlich gebührend zelebriert werden. Zur Einstimmung versammelten sich John Cage-Anhänger und zahlreiche Medienvertreter zu einem Orgelkonzert in der Winterkirche am Dom, wo Kirchenmusikdirektor Claus-Erhard Heinrich einen musikalischen Bogen von der Renaissance bis heute spannte. Der Schwerpunkt lag auf Orgelstücken der Jubilare des Jahres 2009: Henry Purcell (350. Geburtstag), Georg Friedrich Händel (250. Todestag) und Joseph Haydn (200. Todestag). Als passenden Abschluss spielte Heinrich den ersten der acht Teile aus „ORGANf/ASLSP“, dem Musikstück des Avantgardekomponisten John Cage, das in der aufgeblähten Halberstädter Variante 639 Jahre dauern soll. Im Normaltempo nur wenige Minuten lang, wird Teil eins beim Konzert in der Burchardikirche 71 Jahre in Anspruch nehmen. Acht haben wir hinter uns. Durch das Einstecken von zwei neuen Orgelpfeifen soll die Klangskulptur bei diesem achten Klangwechsel durch die Töne d‘ und e“ ergänzt werden. Dazu musste durch Orgelbaumeister Andreas Saage eine zusätzliche Bohrung an der Orgel vorgenommen werden, damit alle sieben Pfeifen mit Luft versorgt werden. „Ein waghalsiges Unterfangen“ sagt Rainer Neugebauer, Professor der Hochschule Harz, der das Kommando in Sachen Cage in Halberstadt übernommen hat. Unter seiner Führung marschieren nach dem Konzert am Domplatz etwa 150 Klangwechsel-Interessierte zur Burchardikirche. Im Schein eines Schwedenfeuers vor der Kirche erklärt Neugebauer nochmal die Philosophie des Projekts: „639 Jahre ist eine sehr symbolträchtige Zeitspanne. Vor 639 Jahren, gerechnet vom Beginn des Projekts im Jahr 2000, wurde die berühmte Blockwerkorgel von Nicolaus Faber im Halberstädter Dom fertig gestellt.“ Klingt nach viel Zahlenmystik. So ganz genau nehmen die Cage-Freunde ihre Berechnung allerdings nicht: „Um ehrlich zu sein, sind wir elf Monate zu schnell. Wir werden jedoch versuchen, die Abweichung zwischen 2013 und 2020, also zwischen Klangwechsel 13 und 14 zu beheben“ erzählt Neugebauer, bevor sich die Gruppe um die Orgel versammelt, die wohlweislich durch eine Absperrung vor dem Besucheransturm gesichert worden ist. Nachdem Neugebauer den Countdown auf seiner Taschenuhr gezählt hat, zieht James W. Seward, Leiter der Presse- und Kulturabteilung des US-Generalkonsulats in Leipzig, um 18 Uhr 16 die Blockierung von der neuen Pfeife. Ein Raunen geht durch die Menge, der neue Ton erklingt. Für Fachleute ein Aha-Erlebnis, für ungeübte Ohren ein etwas tieferes Quäken als zuvor. Die neue Pfeife muss ihre Arbeit noch einige Zeit verrichten. Der nächste Klangwechsel fndet am 5. Juli 2010 statt.
Volksstimme Halberstadt, 7.11.2008
Zum siebten Mal wird der Klang der John-Cage-Orgel verändert / Bestsellerautorin Wibke Bruhns:
„Ich bin so begeistert davon, weil es so unnütz ist“
Von Thomas JunkSeit September 2001 wird das Musikstück „As Slow As Possible“ des amerikanischen Komponisten John Cage in der Halberstädter Burchardikirche aufgeführt. Beim längsten Musikstück der Welt wurde am Mittwoch der siebte Klangwechsel durch die Bestsellerautorin Wibke Bruhns vollzogen.
Halberstadt. Das eingestrichene c hatte nur eine kurze Lebensdauer in dem auf 639 Jahre angelegtem Konzert. Nach nur vier Monaten verabschiedete sich der Ton wieder und lässt den Akkord, wie Rainer Neugebauer von der John-Cage-Stiftung sagt „klarer erscheinen“. „Da wir nur einen Ton wegnehmen, handelt es sich diesmal im Vergleich zum Tonwechsel im Sommer um einen sehr ruhigen Klangwechsel“, erklärt Neugebauer.
Als prominente „Organistin“ hatte die John-Cage-Stiftung diesmal die gebürtige Halberstädterin und Bestsellerautorin Wibke Bruhns gewinnen können. Bereits beim ersten Klangwechsel fungierte die Journalistin in dieser Funktion. Seit dem ersten Ton, beziehungsweise dem ersten „Schnaufen“, wie sie die Pause mit der die Aufführung begann bezeichnet, ist Bruhns von dem Projekt begeistert. „Es gefällt mir so gut, weil es so unnütz ist“, schmunzelt Bruhns, „und unnütz fi nde ich toll. Und es gefällt mir auch, weil es nach vorne guckt.“
Bevor es aber zum Klangwechsel kam, präsentierte Neugebauer eine ganz andere Seite von John Cage. In einer Lesung präsentierte er Texte des amerikanischen Künstlers. Mit sonorer Stimme vorgetragen und in der atmosphärischen Stimmung des großen Saals im Herrenhaus neben der Kirche, ermöglichte Neugebauer den zahlreich erschienenen Zuschauern einen spannenden Einblick in das literarische Werk von Cage. Augenzwinkernde und hintersinnige Texte über ein musikalisches Gastspiel in Indien, sein bevorzugtes Pilzrezept und darüber, wie ihm von John Lennon und Yoko Ono die makrobiotische Küche näher gebracht wurde, sorgten für überraschende, heitere Momente.
632 Jahre liegen noch vor dem Musikstück, eine lange Zeit. Wibke Bruhns glaubt jedenfalls fest daran, dass das Konzert auch zu Ende gespielt wird. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass es von Generation zu Generation immer jemanden geben wird, der das Projekt fortführen wird.“ Und lächelnd fügt sie hinzu: „Ich komme auf jeden Fall in 632 Jahren nochmal vorbei und schau es mir an.“ Auch Rainer Neugebauer glaubt an das Fortbestehen des Projektes: „Wir haben zunächst nur die ersten 71 Jahre geplant, alles weitere überlassen wir dann unseren Enkeln.“
Der nächste Klangwechsel steht am 5. Februar kommenden Jahres ins Haus. Dann wird der Orgel keine Pfeife entnommen, im Gegenteil zwei neue Töne werden hinzugefügt.
Sechster Tonwechsel beim Cage-Projekt und mehrere Konzerte in Halberstädter Kirchen
Volksstimme Halberstadt, 7.7.2008Aus Platzmangel müssen viele Besucher draußen bleiben
Von Gerald Eggert
Halberstadt schrieb Musikgeschichte und schreibt sie heute wieder: mit dem 639 Jahre dauernden John-Cage-Orgel-Projekt, das am Sonnabend seinen sechsten Tonwechsel erlebte. Aber auch mit einem musikalisch-kulturellen Unterhaltungsprogramm in mehreren Kirchen.
Halberstadt. Die Domstadt kann auf eine Jahrhunderte lange Tradition des Orgelspiels und des Orgelbaus zurückblicken. Sie verfügt über drei bereits legendäre Instrumente, die jeweils technisch und klanglich die modernsten und zudem größten Orgelwerke ihrer Zeit waren: die Faber-Orgel (1361) und die Herbst-Orgel (1713/18) im Dom sowie die Beck-Orgel (1596/1770) in der Martinikirche.
Dies sind gute Gründe, das spektakuläre John-Cage-Orgel-Kunst-Projekt im Herbst 2001 hier zu starten. 639 Jahre soll das längste Musikstück dauern, die Cage-Komposition „Organ2 /ASLSP“. Am Sonnabend wird der sechste Tonwechsel vorgenommen. Um 15.33 Uhr fügen Sachsen-Anhalts Staatsminister Rainer Robra und Oberbürgermeister Andreas Henke die Töne „c“ und „as“ dem bestehenden Klang zu. So viele Zuschauer wie noch nie seit Projekteröffnung verfolgen den Akt in der Burchardikirche.
Rainer Robra ist begeistert von der Nachhaltigkeit dieser außergewöhnlichen Idee sowie dem Engagement und dem Optimismus derjenigen, die dahinterstehen. „Das Projekt erfährt internationale Beachtung und Anerkennung“, stellt Andreas Henke fest, „das ist sehr gut. Doch ich wünsche mir diese Anerkennung noch in anderen Bereichen.“ Denn Halberstadt verfüge über eine breite kulturelle Palette, die es wert sei, von vielen Besuchern wahrgenommen zu werden. Der Oberbürgermeister verweist zudem auf die philosophischästhetische Seite und die Möglichkeit, bei jungen Leuten ein Zeitgefühl zu entwickeln und sie, die das Cage-Projekt in die Zukunft führen sollen, dafür zu begeistern.
Sind die Veranstalter am Nachmittag bereits von gut 1000 Neugierigen beim Tonwechsel überrascht worden, setzt sich das unerwartet große Interesse am Abend fort. Hunderte Musikinteressierte pilgern von Kirche zu Kirche und erleben nach dem Auftakt mit dem Posaunenchor von den Domtürmen und dem anschließenden Vollgeläut mit Harald Vogels „Gotische Orgelmusik mit Glocken“ im Dom, Satie’s Choräle mit Christoph Bossert in St. Moritz und das Ensemble „Exvoco“ mit John Cages „Song Books“ in St. Martini.
In der bis auf den letzten Platz besetzten St.-Andreas-Kirche spielt Claus-Erhard Heinrich Improvisationen über den Glockenschlag von Westminster-Abbey. In der Liebfrauenkirche wird den Besuchern etwas für die Ohren und die Augen geboten: Karin Gastell an der Schwalbennestorgel erfährt im Stück „Verrinnende Zeit“ Unterstützung durch eine Keulenschwingerin, einen Elektroscooterfahrer und einen Rhönradturner. Wegen des „Verkehrs“ im Kirchenraum müssen alle Besucher Sitzplätze einnehmen. Da trotz zusätzlich herbeigeschaffter Stühle nicht alle Interessierten Platz bekamen, blieb vielen Neugierigen der Zutritt aus Sicherheitsgründen verwehrt.
Draußen bleiben hieß es im Anschluss auch bei Hans-Ola Ericsons Konzert „Nach(t)klang - Klangnacht“ in der Winterkirche des Domes. Hier ist es jedoch die kleine Räumlichkeit, die es gebietet, dass Zuhörer vor der Tür oder den geöffneten Fenstern stehend die Musik erleben.
Den Höhepunkt des Abends gilt es dann ohnehin, im Freien zu genießen. Wie seit dem Glockenguss und dem Silvestergeläut der Domina nicht zur Jahrtausendwende mehr, beleben weit mehr als 1000 Menschen den Domplatz und verfolgen ein Konzert der Glocken von Dom, der Martini- und der Liebfrauenkirche. Bei dieser Glocken-Performance, geleitet vom international renommierten Avantgarde-Komponisten Dr. Ewald Liska, wirken 21 Mitspieler mit. Sie bringen 22 Glocken mit Klöppeln und Metallhämmern in unterschiedlicher Weise zum Klingen und faszinieren die Halberstädter und die oft von weit angereisten Besucher mit einem sensationellen, fast vierzigminütigen Konzert im Geist von John Cage. Eigentlich ist dem Harslebener Spielmannszug bei diesem Freiluftkonzert eine musikalische Rolle zugedacht. Doch die Spielleute hatten bereits bei den Proben ihre Mitwirkung abgesagt. So bleiben die „Lauftöne“ leider aus.
Fünf Tage lang neueste Streicherklänge in den Räumen des Herrenhauses
Von Ute SchalzAm Sonntagmorgen (5.09.2008) ist im Herrenhaus in Halberstadt der erste Interpretationskurs für zeitgenössische Musik mit der Preisvergabe des ersten John-Cage-Preises zu Ende gegangen – ein Projekt der John-Cage-Orgel-Stiftung. Vier Tage lang hatten die Streicher nicht nur Unterricht genossen bei dem renommierten Kairos Quartett, sondern sich auch wohlgefühlt auf dem Gelände des Herrenhauses. Immer wieder nutzen die Beteiligten die Gelegenheit, sich seelisch aufzutanken bei dem derzeitigen Orgelklang des 639 währenden Stückes „Organ 2 – As slow as possible“ in der Buchardikirche. „Eine einzigartige und unvergessliche Atmosphäre“, so der Geiger des Quartettes Stefan Häussler. „Noch nie bin ich so intensiv betreut worden“, meinte Katharina Buschhaus, die als Cellolehrerin arbeitet.
Am Freitag Abend hatte das Quartett zum Geburtstag von John Cage ein in jeder Hinsicht fabelhaftes Konzert gespielt, das seine Spannung vor allem aus der stilistischen Unterschiedlichkeit der Werke bezog: neben den „Thirty Pieces“ von John Cage war )place( des jungen italienischen Komponisten Giorgio Netti mit seinen komplexen Klängen der Höhepunkt. Diese Klänge werden neben vielen neuen Spieltechniken erzeugt durch das Einschieben einer Plastikkarte in die Saiten. Die Wirkung ist, dass kein einziger Klang dem einer Geige, einer Bratsche oder einem Cello zugeordnet werden kann, sondern eine phantomartige und irreale Klanglichkeit entsteht. Das macht neugierig und schärft und die Ohren.
Den John-Cage-Preis in Höhe von 1.500 Euro erhielt in großer „Eindeutigkeit“, so die Jury, der 25jährige Johannes Haase aus Wolfenbüttel, der in Bremen studiert. Er zeigte mit einem Stück von des italienischen Komponisten Franco Donatoni und einen des Spaniers José Mariá Sanchez-Verdù eine beeindruckende Fülle an klanglichen Experimenten, die er zu einer außerordentlich expressiven Dramaturgie zu verbinden verstand. Eine überlegene und preiswürdige Leistung. Katharina Buschhaus aus Überlingen am Bodensee und die japanische Geigerin Nagi Uesugi, die in Würzburg studiert, erhielten aufgrund ihrer ausgezeichneten Leistungen je einen Förderpreis in Höhe von 250 Euro.













